Ein Golfbild auf einer Kunstmesse. Als feststand, dass die Galerie HELLIGKEIT THE FINAL PUT auf der ARTMUC in München zeigt, habe ich mich gefreut. Und dann angefangen zu zweifeln.
Golf hat in der Kunstwelt keinen leichten Stand. Viele denken an Clubhaus, karierte Hosen und Pokale für den Kamin, und ich kann das niemandem übelnehmen. Meine Sorge war, dass mein Bild für Kunstleute zu viel Golf ist und für Golfer zu viel Kunst. Zwischen Malerei, Skulptur und Fotografie aus mehreren Ländern hängt da plötzlich ein Golfball an der Wand. Das kann schiefgehen.
Es ging nicht schief. Vom 23. bis 25. Oktober kamen über 10.000 Besucher ins MTC, und an Stand H1.07 blieben erstaunlich viele von ihnen stehen.

THE FINAL PUT misst 150 × 150 Zentimeter. Aus der Leinwand wölbt sich ein Golfball mit 40 Zentimetern Durchmesser, knapp unterhalb des Lochs. Oben links steht, worum es geht: Two meters. One shot. Everything. Wer einmal einen Zwei-Meter-Putt vor sich hatte, an dem ein ganzes Match hängt, braucht dazu keine Erklärung. Gewundert hat mich, wie schnell auch Leute ohne Handicap wussten, was gemeint ist. Jeder kennt so einen Moment, nur eben nicht unbedingt auf dem Grün.
Das Bild wurde zum Fotomotiv, und zwar ziemlich schnell. Leute haben sich davorgestellt, auf den Ball gezeigt, Freunde dazugeholt. Irgendwann stand ich selbst davor und habe für den Fotografen auf den Titel gezeigt, wie ein Wettermann auf seine Karte. Für solche Posen bin ich eigentlich nicht gemacht.

Dass so viel fotografiert wurde, hat mich ehrlich gesagt zuerst ein bisschen gestört. Ich habe lange an diesem Bild gearbeitet, und viele haben es durch ihr Handydisplay angeschaut statt mit eigenen Augen. Dann ist mir aufgefallen, was beim Fotografieren eigentlich passiert. Wer ein Bild dieser Größe ganz aufs Foto bekommen will, muss ein paar Schritte zurück. Bei 150 Zentimetern landet man ungefähr bei zwei Metern. Genau dem Abstand, um den es im Bild geht. Seitdem stört es mich nicht mehr.
Ich war selbst vor Ort und habe viele Fragen beantwortet. Ob der Ball echt ist, wollten einige wissen. Er ist 3D-gedruckt und wiegt 1,4 Kilo, das ist die kurze Antwort. Die spannendere Frage war, was MIND OF GOLF eigentlich bedeuten soll. Die Antwort steht rechts unten auf dem Bild: Your body knows. Your mind doubts. Your heart is running. Der Körper weiß längst, wie der Putt geht. Der Kopf glaubt es ihm nicht. Das habe ich auf genug Grüns selbst erlebt, und darum male ich nicht den Schlag, sondern den Moment davor. Wer mehr über die Geschichte hinter dem Bild lesen möchte, findet sie auf der Werkseite.

Den Stand habe ich mir mit anderen Künstlern der Galerie geteilt. Direkt vor meinem Bild standen zwei Köpfe aus Metall und Fundstücken von Daniela Hellerforth. Ich fand, dass sie gut dazu passen. Zwei Köpfe, in denen ganz offensichtlich einiges los ist.
Der Galerie HELLIGKEIT danke ich für die professionelle Präsentation. Ein Bild dieser Größe braucht Platz, gutes Licht und eine Wand, an der es atmen kann. Das hat es bekommen, und für eine erste Ausstellung ist das keine Selbstverständlichkeit. Danke auch an alle, die stehen geblieben sind, gefragt und gelacht haben.

Ganz unten auf dem Bild steht, rot unterstrichen: Do it. Vor der Messe hat bei mir eher die Zeile darüber gegolten. Your mind doubts. Ich habe es trotzdem gemacht. Beim nächsten Mal soll mehr als ein Bild aus der Serie an der Wand hängen.