Ich habe nie eine richtige Pre-Shot-Routine gehabt. Ein paar Mal versucht — dreimal aufs Grün schauen, einmal durchatmen, den Schläger locker in der Hand wippen lassen — und jedes Mal spätestens nach drei Löchern wieder vergessen, weil irgendwas dazwischenkam. Ein Kommentar vom Mitspieler, ein Vogel, der komisch geflogen ist, meine eigene Ungeduld.
Was mich daran eigentlich interessiert, ist weniger die Routine selbst, sondern warum sie überhaupt etwas bringt, wenn man sie durchhält. Sie hat ja nichts Magisches an sich. Drei Waggle mit dem Schläger verändern rein physikalisch gar nichts am folgenden Schwung. Trotzdem fand eine Untersuchung der European Tour über knapp 23.000 Schläge, dass die reine Konsistenz der Zeit über dem Ball mit besseren Ergebnissen zusammenhängt — nicht wie lange, sondern wie verlässlich gleich lang, Schlag für Schlag.
Das ergibt für mich mehr Sinn, seit ich versuche, THE BUNKER zu malen, statt nur zu spielen. Ein Golfer, der sich im Sand die Füße eingräbt, bevor er überhaupt ansetzt — das ist im Grunde dieselbe Bewegung wie das Waggle am Abschlag. Kein technischer Nutzen. Reiner Übergang. Der Körper braucht offenbar ein Signal, dass jetzt der ernste Teil beginnt, sonst rutscht er direkt von der Anspannung des Wartens in den Schwung, ohne einen Punkt dazwischen, an dem er sich sammeln kann.
Ich hab angefangen, das ernster zu nehmen, nachdem mir aufgefallen ist, dass meine schlechtesten Schläge fast immer die waren, bei denen ich diesen Zwischenschritt übersprungen habe — schnell hingestellt, schnell geschwungen, weil hinter mir schon gewartet wurde oder ich selbst noch vom letzten Loch genervt war. Nicht, weil der Schwung an sich schlechter war. Weil ich nie richtig angekommen war, bevor ich ihn losgelassen habe.
Eine echte Routine hab ich deswegen immer noch nicht. Aber ich merke inzwischen, wann sie fehlt, und das ist vermutlich schon die halbe Miete.
Wer sich das mit echten Zahlen ansehen will: Practical Golf über die European-Tour-Studie zur Zeit über dem Ball. Und wer sehen will, wie sich dieser eine Zwischenschritt anfühlt, kurz bevor die eigentliche Bewegung beginnt: THE BUNKER.
— Ralf List